BEST PRACTICES AUS DEN REGIONEN

von Marc Fügmann, Schaumburger Nachrichten

Kunden werden zu Botschaftern

Community Building und Loyalty werden als Instrumente für Medienunternehmen immer wichtiger, vielleicht sogar überlebenswichtig. Sie können zum Aufbau einer von Vertrauen, Relevanz und Identität getragenen Beziehungsmarke beitragen und im Idealfall Kunden zu deren Botschaftern machen. Gleichzeitig sind sie Grundlage nachhaltiger Erlösmodelle. Drei Ideen, mit denen die Schaumburger Nachrichten erfolgreich am Markt sind.

Überschaubarer Aufwand – große Wirkung: Seit einigen Jahren laden die Schaumburger Nachrichten mehrmals im Jahr Leserinnen und Leser zu Verlagsabenden ein. Die ursprüngliche Überlegung: Wie bedankt man sich angemessen bei langjährigen Abonnenten, die über die Zeit immerhin tausende Euro im Verlag gelassen haben? Antwort: Indem sich die Chefredaktion oder die Geschäftsführung ein paar Stunden Zeit für sie nimmt. Persönlich, nicht delegiert an die zweite oder dritte Reihe. Das bringt echte Wertschätzung zum Ausdruck und ist unvergleichlich wirkungsvoller als das obligatorische Dankschreiben, dem ein 10- oder 20-Euro Einkaufsgutschein beigelegt wird. Dieses Geld ist besser investiert in ein kleines Catering, um den gemeinsamen Abend abzurunden.

Die Verlagseinladungen (Gruppengröße zwischen 30 und 50 Gäste) sind ein ideales Forum, Abonnenten mitzunehmen auf dem Transformationsweg vom klassischen Zeitungsverlag zum digitalen Medienunternehmen. Sie bieten Gelegenheit, über die rasanten Veränderungen von Arbeitsweisen und Produkten zu informieren: Warum setzt die Redaktion auf andere Inhalte als vor 20 Jahren? Weshalb können wir unser einstiges Versprechen, eine gedruckte Zeitung bis sechs Uhr früh zuzustellen, nicht mehr immer erfüllen? Welche anderen wirtschaftlichen Zwänge treiben uns um? Und weshalb glauben wir trotzdem an eine erfolgreiche Zukunft des lokalen Qualitätsjournalismus?

Je mehr Veränderungen wir unseren Kunden zumuten, desto intensiver und besser müssen wir erklären. Inzwischen laden die Schaumburger Nachrichten nicht mehr nur Jubiläumsleser zu Verlagsabenden ein, sondern auch gezielt jene, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht (mehr) zufrieden mit uns sind. Hier ist es Ziel, eine Eskalation – im schlimmsten Fall die Abo-Kündigung – abzuwenden. Was glücklicherweise oft gelingt, weil die Betroffenen spüren, dass wir uns mit ihren Anliegen auseinandersetzen und sie ernst nehmen. Spätestens, wenn die Gäste abschließend noch einen Abstecher in den Newsroom machen und

erleben, dass dort bis in den späten Abend für ihre Zeitung, ob gedruckt oder digital, gearbeitet wird, ist die Leser-Community um ein paar Markenbotschafter reicher.

Der Verlag nutzt dafür seine ohnehin vorhandenen Kontakte und zementiert seinen Ruf als relevantes, gut vernetztes Medienunternehmen. Weil den Teilnehmenden, darunter nicht selten regionale Multiplikatoren, diese mit journalistischer Kompetenz kombinierten Erlebnisse einiges wert sind, zahlen die politischen Leserreisen nicht nur auf die Leser- Blatt-Bindung ein, sondern sind ganz nebenbei ein zusätzliches Geschäftsfeld.

Das haben die Schaumburger Nachrichten auch mit dem Veranstaltungsmanagement aufgebaut. Die verlagseigene Event-Agentur hat mit der Schaumburger Regionalschau Niedersachsens größte regionale Messe etabliert: Rund 200 ausstellende Unternehmen zeigen im Dreijahres-Rhythmus Produkte und Dienstleistungen – und locken so an drei Tagen mehr als 50.000 Besucherinnen und Besucher an. Dazu trägt auch eine hohe Aufenthaltsqualität mit Bühnen-Shows, Podiums-Formaten und abendlichen Konzerten bei. Gesprächsrunden mit prominenten Gästen wie etwa Trigema-Chef Wolfgang Grupp oder ADAC- Präsident Christian Reineke gehören ebenfalls zum Erfolgskonzept. Für die Regionalschau 2026 haben Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und Vize-Kanzler Lars Klingbeil ihre Teilnahme zugesagt.

Neben der Vermietung von Standflächen monetarisiert der Verlag das Projekt durch umfangreiche Werbepartnerschaften. Die dafür geschnürten Pakete verschaffen den Kunden im Gegenzug schon Monate im Vorfeld eine hohe Sichtbarkeit – print und vielfältig digital. Besonders wertvoll: Auch Unternehmen, zu denen es in Ermangelung eines Endkunden-Geschäfts sonst bestenfalls sporadisch Kontakt gibt, zeigen hier als Aussteller und/ oder Werbepartner Flagge. Und der Verlag, der die maßgeblichen Entscheider der regionalen Wirtschaft zusammenbringt und mit Besucherströmen vernetzt, wird als Motor und Identitätsstifter für die gesamte Region wahrgenommen.

Alle drei Ideen zielen darauf ab, durch Vertrauen, Relevanz und Begegnung auf Augenhöhe eine

starke Beziehungsmarke aufzubauen. Gerade in Zeiten zunehmender Anonymität kann es eine große Chance für Verlage sein, reale Dialogräume zu schaffen.

Marc Fügmann ist Geschäftsführer der Verlage J. Hoffmann (Die Harke, Nienburg), Hüpke & Sohn (Täglicher Anzeiger, Holzminden) sowie der Schaumburger Nachrichten, deren Chefredakteur er gleichzeitig ist. Alle drei Titel sind Teil der MADSACK Mediengruppe. www.madsack.de

• Durch persönliche Verlagsabende und exklusive Leserformate wird direkte Nähe und Wertschätzung gegenüber Abonnenten geschaffen – und so eine loyale Community aufgebaut, die den Verlag versteht, unterstützt und als Marke weiterträgt • Das Community Building wird durch dialogorientierte Formate wie Leserreisen und Hintergrundgespräche mit politischen Akteuren gestärkt – und der Verlag als vertrauenswürdiger, gut vernetzter Vermittler mit exklusivem Zugang positioniert • Es werden zusätzliche Erlösquellen durch Events, Leserreisen und Messeformate erschlossen – und gleichzeitig die Loyalty gesteigert, indem der Verlag als zentraler Akteur, Netzwerker und Identitätsstifter der regionalen Gemeinschaft wahrgenommen wird

Foto zu „Kunden werden zu Botschaftern“
Foto zu „Kunden werden zu Botschaftern“