BEST PRACTICES AUS DEN REGIONEN

von Nina Könemann, Mindener Tageblatt

Differenzierung und Dialog

Vertrauen in Medien und Transparenz sind zentrale Themen bei den „Mindener Mediengesprächen“. Für das Format hat sich das Mindener Tageblatt mit der VHS zusammengetan: Seit drei Jahren ziehen hochkarätige Gäste regelmäßig rund 180 Besucher an und diskutieren mit ihnen.

Ralph Ruthe (links) diskutiert mit Nina Könemann beim Mindener Mediengespräch über seine Arbeit als Cartoonist und die Bedeutung von Humor

Vertrauen und Transparenz sind Schlüsselfragen des Journalismus. Wer glaubt, sich nicht mehr auf die Arbeit der unabhängigen Presse verlassen zu können, stellt auch schnell die Demokratie als solche in Frage und wendet sich fragwürdigen Quellen zu. Für Redaktionen ist das eine Heraus-

forderung: Sie müssen eine komplexer werdende Welt erklären, sind wachsender Kritik und Anfeindungen ausgesetzt und sollen gleichzeitig Orientierung und Halt bieten. Parallel dazu hat sich die öffentliche Kommunikation radikal verändert, denn jede und jeder kann rund um die Uhr ungeprüft Inhalte verbreiten, Meinungen setzen, Deutungen anbieten, und das mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz in rasender Geschwindigkeit.

Mit dieser Revolution steigen die Anforderungen an Medienkompetenz – und genau hier setzen die Mindener Mediengespräche an, die das Mindener Tageblatt seit 2022 vier Mal im Jahr gemeinsam mit der Volkshochschule Minden-Bad Oeynhausen anbietet. Ziel der gemeinsamen Veranstaltungsreihe ist es, Medien nicht nur zu erklären, sondern sie zur Diskussion zu stellen – offen, kritisch und auf Augenhöhe mit dem Publikum. In einer Zeit, in der journalistische Arbeit häufig unter pauschalen Vorwürfen leidet, schaffen die Mediengespräche einen Raum für Differenzierung und Dialog.

Das Format richtet sich bewusst an eine breite Öffentlichkeit. Der Eintritt ist deshalb kostenfrei. Die Resonanz zeigt, dass dieses Angebot einen Nerv trifft: Zuletzt besuchten im Schnitt rund 180 Gäste verlässlich jede Veranstaltung. Das liegt auch an den hochkarätigen Gästen: Mit Ex-Bundespräsident Christian Wulff sprach das MT über seine Affäre, Ex-Correctiv-Mitarbeiter Jonathan Sachse stellte die Recherchen zu „Geheimplan gegen Deutschland“ in Minden vor. Business Insider kam mit seinem Podcast „Macht und Millionen“ zu den Mediengesprächen, Daniel Drepper diskutierte mit dem Publikum über seine Recherchen zu Rammstein-Sänger Till Lindemann. Karikaturist Ralph Ruthe sprach über den Spagat zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Satire, Podcasterin Sally Lisa Starken versuchte Lösungen zu finden, wie sich eine Demokratie gegen rechte Kräfte wehren kann. Zuletzt sprach Juan Moreno über seine vieldiskutierte Haftbefehl- Doku und die Nachwirkungen des Relotius-Skandals auf eine ganze Branche.

Inhaltlich bewegen sich die Mediengespräche an der Schnittstelle von Journalismus, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Diskutiert werden aktuelle Themen, aber auch Fragen nach journalistischer Verantwortung, Transparenz und Fehlerkultur, dem Verhältnis von Medien und Politik sowie nach den Auswirkungen digitaler Plattformen auf Öffentlichkeit und Meinungsbildung.

Die Mediengespräche verstehen sich nicht als PR- Veranstaltung für Journalismus, sondern als Einladung zur kritischen Auseinandersetzung – auch mit der eigenen Arbeit. Diese Haltung wurde 2024 ausgezeichnet: Die Reihe erhielt den „Preis für transparenten Journalismus“ des Medienspiegels.

Nina Könemann, Chefredakteurin www.mt.de

• Durch die Mindener Mediengespräche wird ein offener Dialog auf Augenhöhe geschaffen, der Transparenz und Vertrauen stärkt – und so eine loyale Community rund um glaubwürdigen, reflektierten Lokaljournalismus aufbaut • Das Community Building wird durch regelmäßige Live-Veranstaltungen mit hochkarätigen Gästen und breiter öffentlicher Beteiligung gestärkt – und der Verlag als zentraler Ort für gesellschaftlichen Austausch und Diskurs positioniert • Es werden nachhaltige Bindungseffekte durch kostenfreie, niedrigschwellige Zugänge und persönliche Begegnungen erzeugt – und gleichzeitig die Loyalty gesteigert, indem das Medium als vertrauenswürdiger und relevanter Akteur in der demokratischen Öffentlichkeit wahrgenommen wird

Foto zu „Differenzierung und Dialog“
Foto zu „Differenzierung und Dialog“

Bildunterschriften

Foto: Patrick Schwemling