AUFTAKT & EINORDNUNG

von Kai Röhrbein

Beziehungen, die tragen

Community und Loyalty als Fundament unserer Branche. Ein Beitrag von Kai Röhrbein, Vorsitzender des VDL.

Liebe Mitglieder, liebe Leserinnen und Leser, ich gebe zu: Begriffe wie „Community Building“ und „Loyalty“ klingen zunächst nach Konferenzsprache. Nach Folien, nach Buzzwords, nach dem nächsten großen Ding, das dann doch irgendwo zwischen Tagesgeschäft und fehlendem Budget versickert. Und trotzdem – oder gerade deshalb – lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn hinter diesen Begriffen steckt etwas, das wir als lokale Medien eigentlich schon immer können: echte Beziehungen zu den Menschen in unseren Regionen aufbauen. Wir haben nur manchmal vergessen, das strategisch zu nutzen.

Die Wahrheit ist: Reichweite allein trägt keine nachhaltigen Geschäftsmodelle mehr. Das wissen wir alle. Viele unserer Häuser spüren den Druck täglich – sinkende Printauflagen, zögerliche digitale Zahlungsbereitschaft, eine Öffentlichkeit, die sich in immer mehr Kanäle und Plattformen fragmentiert. Die gute Nachricht: Wir haben etwas, das kein Algorithmus ersetzen kann. Nähe. Vertrauen. Heimat. Genau das ist der strategische Hebel, den dieses Magazin in den Mittelpunkt stellt.

Für mich persönlich war das vergangene Jahr in vielerlei Hinsicht prägend. Besonders in Erinnerung bleibt mir unser zweitägiger Strategieworkshop des Vorstands in Heide – auf Einladung von Inken Boyens, der ich an dieser Stelle herzlich danken möchte. In diesen zwei Tagen haben wir als Vorstandsteam intensiv, offen und manchmal auch unbequem diskutiert: Wo steht der VDL wirklich? Wo wollen wir hin? Was brauchen unsere Mitglieder von uns – nicht in Hochglanzbroschüren, sondern im echten Verlagsalltag? Aus diesem Workshop

sind konkrete Impulse entstanden, die wir bereits umsetzen konnten – darunter ein deutlich verstärkter Dialog mit der Politik. Das zeigt: Wenn wir uns als Branche die Zeit nehmen, gemeinsam zu denken, entstehen Dinge, die wirklich etwas bewegen.

Genau das ist auch die Haltung, mit der wir dieses Magazin zusammengestellt haben. Es versammelt Best Practices aus unseren Mitgliedsverlagen, Einblicke in die Arbeit des VDL und – ganz bewusst – auch Perspektiven von außen. Denn wer nur in der eigenen Branche nach Antworten sucht, findet irgendwann keine neuen mehr. Die vier Kapitel des Magazins spannen dabei den Bogen von aktuellen Community- und Loyalty-Trends über Best Practices aus den Regionen, unsere VDL-Digitalformate bis hin zu externen Expertinnen und Experten, die unter „Outside the Bubble“ frische Impulse einbringen. Ich bin überzeugt: Jedes dieser Formate hält eine Erkenntnis bereit, die sich auf das eigene Haus übertragen lässt.

Was mich gleichzeitig umtreibt: Zu viele unserer Mitgliedsverlage machen großartige Dinge – und zu wenige wissen davon. Wir sind eine Branche voller Kreativität, Innovationskraft und unternehmerischem Mut. Aber wir teilen zu selten. Wir schauen zu oft auf die eigene Region und zu selten auf das, was die Kollegin drei Landkreise weiter ausprobiert – und vielleicht schon erfolgreich etabliert hat. Das ist eine verpasste Chance. Und es ist etwas, das wir gemeinsam ändern können.

Deshalb mein Appell an Sie alle: Rücken wir enger zusammen. Nicht als Phrase, sondern als gelebte Praxis. Teilen Sie Ihre Erfahrungen – die erfolgreichen und die gescheiterten. Nutzen Sie den

VDL als das, was er sein will und sein kann: eine Plattform für echten Austausch, für Vernetzung, für gemeinsames Lernen. Gerade in einer Zeit, in der sich vieles schnell verändert und der Druck von außen wächst, kommen wir gemeinsam schneller voran als jeder für sich allein. Starke Communities entstehen nicht zufällig – sie werden gestaltet. Das gilt für unsere Leserinnen und Leser. Und es gilt genauso für uns als Verband.

In diesem Sinne: Lesen Sie dieses Magazin nicht nur als Rückschau, sondern als Einladung. Zur Inspiration, zum Ausprobieren – und zum Gespräch.

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